Ratgeber · Fahrzeug

Ich suche ein passendes Fahrzeug

Kastenwagen, Wohnmobil oder Wohnwagen? Hier kommt die ehrliche Entscheidungshilfe, aus eigener Erfahrung, mit allem, was wir selbst ausprobiert haben.

Bevor wir uns für ein eigenes Fahrzeug entschieden, haben wir wirklich alles ausprobiert: Kastenwagen, ein siebeneinhalb Meter langes Wohnmobil und auch einen Wohnwagen. Wir wollten nicht theoretisch abwägen, sondern erleben, was zu uns passt. Am Ende wurde es ein VW California, und der Weg dorthin sagt viel darüber aus, worauf es bei der Wahl wirklich ankommt.

Zuerst testen, dann entscheiden

Unser wichtigster Rat: Probiere möglichst viele Varianten aus, bevor du kaufst. Wir sind sogar mit dem Auto auf Campingplätze gefahren und haben dort fest installierte Wohnwagen gemietet, nur um alle Möglichkeiten kennenzulernen. Ein Campingplatz ist dafür wie eine kleine Dauermesse: Du siehst alle Fahrzeugtypen und Aufbauten, und die Camper-Leute sind in der Regel offen und reden gern über ihre Erfahrungen. Dort sammelst du in ein paar Gesprächen mehr Wissen als in jedem Prospekt.

Die drei Typen, ehrlich betrachtet

Grob gibt es drei Wege. Der Wohnwagen ist als Anhänger oft die günstigste Lösung und kann am Platz stehen bleiben, während du mit dem Zugfahrzeug mobil bist. Im Alltag bringt er aber nichts, er steht die meiste Zeit herum. Der Kastenwagen und das aufgebaute Wohnmobil bieten mehr Eigenständigkeit, sind im Alltag aber sperrig, du kommst damit zum Beispiel kaum in eine Einstellhalle. Als Faustregel gilt: Je grösser das Fahrzeug, desto mehr Komfort, aber desto weniger Alltagstauglichkeit. Diese Waage muss jeder für sich finden.

Je grösser das Fahrzeug, desto mehr Komfort, aber desto weniger Alltagstauglichkeit. Die richtige Wahl liegt dort, wo diese Waage für dich im Gleichgewicht ist.

Warum es bei uns der VW California wurde

Bei uns war es auch eine finanzielle und praktische Frage. Wir haben kein Zweitauto, das Fahrzeug muss also Alltagsauto und Camper zugleich sein. Ein Wohnwagen oder Kastenwagen wäre finanzierbar gewesen, aber dann hätten wir zusätzlich ein normales Auto gebraucht. Der California fährt sich wie ein Bus, passt in die Einstellhalle und steht nicht das halbe Jahr ungenutzt herum. Genau das war für uns entscheidend: ein Fahrzeug, das wir wirklich nutzen, nicht eines, das nur auf den Urlaub wartet.

Gewicht und Nutzlast ernst nehmen

Das Gewicht ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt. In der Schweiz darf man mit dem normalen Führerausweis der Kategorie B Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht fahren. Wirf vor dem Kauf einen Blick in den Fahrzeugausweis, dort stehen Gesamtgewicht, Leergewicht und Nutzlast. Wichtig: Rechne das Eigengewicht der mitreisenden Personen und das Gepäck immer mit ein, gerade wenn ihr noch ein Vorzelt oder anderes Material dabei habt. Überladung wird in der Schweiz teuer und kann im Ernstfall den Ausweis kosten. In Deutschland wurde die Grenze für Wohnmobile inzwischen angehoben, in der Schweiz sind wir noch bei 3,5 Tonnen. Es wäre zu hoffen, dass auch hier bald mehr möglich wird.

Neu oder gebraucht?

Beides ist gut, es kommt aufs Fahrzeug an. Der grösste Wertverlust passiert meist in den ersten zwei Jahren. Die VW-Busse, die Bullis, behalten ihren Wert allerdings überdurchschnittlich gut, wer also ein neues Fahrzeug möchte, fährt mit einem Bulli kaum verkehrt. Bei Kastenwagen, Wohnmobilen und Wohnwagen ist der Wertverlust grösser, weshalb sich hier ein zwei- oder dreijähriges Modell aus zweiter Hand oft lohnt. Ein guter Mittelweg ist ohnehin, nicht das allerneueste Modell zu nehmen. Frisch auf den Markt gebrachte Fahrzeuge haben oft noch Kinderkrankheiten. Ein Modell, das bereits ein Facelift hatte oder ein, zwei Jahre erprobt ist, erspart einem viel Ärger.

Kaufen oder mieten?

Mieten ist ideal zum Ausprobieren, hat im Alltag aber Tücken. Du musst zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, das ganze Material zuerst ins Auto und dann ins Mietfahrzeug umladen, oft mehrfach. Ein eigenes Fahrzeug lässt sich viel entspannter packen und vorbereiten. Unsere Faustregel: Wer drei- bis viermal im Jahr campen geht, sollte kaufen. Wer nur alle zwei Jahre losfährt, fährt mit Mieten günstiger. Ein grosser Vorteil des Kaufs zeigt sich im Alltag: Weil das Fahrzeug bereitsteht, fährt man viel spontaner los, auch mal nur für eine Nacht oder ein Wochenende. Für ein Wochenende mietet man nämlich keinen Camper.

Wann sich der Kauf lohnt

Wo wir in der Schweiz Camper gemietet haben

Zwei Anbieter haben wir selbst genutzt und können sie empfehlen. Trust and Drive ist eine klassische Vermietung, bei der die Ausstattung ausserordentlich vollständig und durchdacht war. Da fehlte praktisch nichts. MyCamper funktioniert wie eine Plattform, auf der private Besitzer ihren Camper vermieten. Der grosse Vorteil: Die Fahrzeuge sind in der Regel sehr gut ausgerüstet, weil ihre Besitzer selbst damit unterwegs sind und wissen, was es im Alltag braucht.

Bei anderen kommerziellen Vermietern lohnt sich vor der Buchung ein genauer Blick auf die Ausstattungsliste. Oft fehlt das, was unterwegs den Unterschied macht: Keile für die Wasserwaage, Stromkabel, Wasserschlauch oder Giesskanne zum Auffüllen, Besteck und Kochutensilien. Wenn du das alles selbst mitbringen oder vor Ort kaufen musst, ist der vermeintlich günstige Mietpreis schnell relativiert.

Wo wir selbst gemietet haben

Wer mieten möchte, hat in der Schweiz zwei Anbieter, die wir aus eigener Erfahrung empfehlen. Trust and Drive ist eine klassische Vermietung, bei der uns die Ausstattung besonders positiv aufgefallen ist, hier war wirklich alles dabei, was man unterwegs braucht. MyCamper ist eine Plattform, auf der Privatpersonen ihre eigenen Camper vermieten. Der grosse Vorteil: Die Fahrzeuge sind in der Regel gut ausgerüstet, weil die Besitzer selbst damit unterwegs sind und wissen, was man braucht.

Ein wichtiger Punkt aus der Praxis: Achte bei jeder Miete genau auf die Ausstattung. Bei manchen Vermietungsfirmen fehlen Stromkabel, Wasserschlauch oder Kanne zum Auffüllen, Besteck oder Kochutensilien, und du stehst dann auf dem Platz und kannst nichts machen. Frag vor der Buchung konkret nach der Liste, was inklusive ist. Bei den beiden genannten Anbietern war das aus unserer Erfahrung kein Thema.

Unterwegs in der Schweiz

Die Schweizer Strassen sind gut ausgebaut, und die meisten Pässe sind problemlos auch mit Wohnmobil oder Wohnwagen befahrbar, schliesslich kommen dort auch Lastwagen durch. Mit einem schweren Wohnwagen am Haken spürt man das Fahrverhalten allerdings deutlich, und auf der Autobahn gilt für viele Gespanne Tempo 100 oder weniger, das sollte man zeitlich einplanen. In den Städten ist in der Schweiz alles sehr gut signalisiert, man kommt also überall hin.

Wintertauglichkeit

Wer nicht nur im Sommer unterwegs sein will, sollte ein Winterpaket in Betracht ziehen. Das wird für fast alle Fahrzeugtypen angeboten, mit beheizbaren Tanks, besserer Standheizung, manchmal sogar Fussbodenheizung. Wer in den tieferen Herbst hinein oder im Februar und März losfahren möchte, ist damit klar besser dran. Das ist auch nachträglich kein unlösbares Thema, aber ab Werk ist es am saubersten gelöst.

Ausstattung: wichtig gegen nett

Hier lohnt sich Zurückhaltung. Hochglanz-Rückspiegel, lackierte Anbauteile oder Zierleisten sehen schick aus, bringen aber nichts. Beim ersten Campingplatz hängt man etwas an den Spiegel, sei es ein Abwasserschlauch oder ein Tuch, und schon ist der erste Kratzer da. Dieses Geld spart man besser. Wirklich wichtig ist die Autarkie: ein guter Akku, idealerweise zwei Wohnraumbatterien, ein Solarpanel und vielleicht ein kleiner Wechselrichter. So kannst du auch abseits der Campingplätze in der Natur stehen und hast genug Strom, etwa für einen Föhn oder eine Kaffeemaschine.

Probefahrt und Besichtigung

Eine Probefahrt läuft ähnlich wie bei einem normalen Auto, mit ein paar Besonderheiten. Höre genau hin, ob im Innenraum etwas klappert. Wenn auf einer zweistündigen Fahrt oder über einen Pass ständig etwas scheppert, nervt das schnell, achte also auf einen ruhigen Aufbau. Prüfe, ob alle Schränke und Türchen sauber schliessen, und rieche ruhig einmal am Frisch- und am Abwassertank. Solche Dinge lassen sich beheben, aber mit Aufwand. Ansonsten gelten die üblichen Checks wie bei jedem Fahrzeugkauf.

Familie oder Paar?

Das hängt stark von Vorlieben und Komfortanspruch ab. Wir sind mit zwei Jungs, sechs und acht Jahre alt, im California unterwegs, und im Moment geht das gut. In ein paar Jahren, wenn sie grösser sind, wird es enger. Aber auch dafür gibt es Lösungen, wir haben bereits ein gutes Vorzelt von Outwell. Dann teilen wir uns auf, zwei schlafen im Auto, zwei im Zelt, oder alle im Zelt. Für ein Paar ist die Auswahl ohnehin freier. Am Ende entscheidet, wie viel Komfort du brauchst und wie ihr unterwegs leben wollt.

Das verschneite Wohnmobil auf dem Bild stand im Sequoia National Park. Man kann sich noch so gut vorbereiten, manchmal kommt es anders, als man denkt. Genau das ist das Schöne am Reisen.

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