Was uns an der Autarkie am meisten fasziniert, ist die absolute Freiheit. Du bist an nichts gebunden, kannst losfahren, dort stehen, wo es dir gefällt, und das Leben in vollen Zügen geniessen, ohne auf das zu verzichten, was dir wichtig ist. Autark reisen heisst nicht, sich für den Weltuntergang zu rüsten. Es heisst, gut vorbereitet und unabhängig unterwegs zu sein.
Was Autarkie wirklich bedeutet
Autark zu sein heisst, sich bei Strom, Wasser, Wärme und Entsorgung selbst zu versorgen, unabhängig von Anschlüssen. Das ist etwas anderes als nur freizustehen, was bloss den Ort meint. Entscheidend ist nicht möglichst viel Technik, sondern eine Ausstattung, die zu deinem Verbrauch und deiner Reisedauer passt. Am meisten dreht sich dabei um den Strom.
Strom, der wichtigste Punkt
Unser California ist aktuell noch in der Standardversion unterwegs, damit halten wir sparsam etwa ein bis zwei Tage durch. Wer mehr will, geht es am besten in dieser Reihenfolge an. Zuerst eine bessere Aufbaubatterie. Schon damit kommst du, wenn du zwischendurch laden kannst, auf sechs bis acht Tage, und das ist bereits richtig autark. Als Zweites ein Solarpanel aufs Dach, sinnvollerweise mit 200 bis 250 Watt, damit es sich auch lohnt. Und als Drittes, schon in der Kategorie nice to have, ein Wechselrichter mit rund 2000 Watt Ausgangsleistung, falls du grössere Geräte betreiben willst.
Ein praktischer Tipp zum Laden: Nimm zwei Stromkabel zu je zehn Metern mit, statt eines langen. So kannst du bei Bedarf auf zwanzig Meter verlängern, bleibst aber kompakt und kommst fast überall an die Stromquelle.
Autarkie ist kein Wettrüsten mit Technik. Es ist die Kunst, mit dem auszukommen, was du wirklich brauchst, und genau das macht frei.
Sich herantasten mit einer Powerstation
Wer die Autarkie erst einmal ausprobieren will, ohne gleich ein grosses Upgrade ins Fahrzeug zu bauen, fährt mit einer Powerstation gut. Eine grössere Powerstation reicht für die gängigen Verbraucher meist zwei bis drei Tage, lässt sich per Solar nachladen und ist auch zu Hause nützlich, etwa bei einem Stromausfall. So tastest du dich an das Thema heran, ohne dich gleich festzulegen.
Wasser
Als Faustregel rechnen wir mit rund drei Litern pro Person und Tag, die man dabeihaben sollte, wenn man nicht an Frischwasser kommt. Für unterwegs gibt es Micropur-Tabletten von der Schweizer Marke Katadyn: eine Tablette pro Liter, gut schütteln, nach der Einwirkzeit ist das Wasser trinkbar. In unserem Frischwassertank haben wir zusätzlich ein Silbernetz, das das Wasser frisch hält. Wer länger autark stehen will, nimmt zusätzlich ein paar grosse Wasserkanister mit.
Toilette und Entsorgung
Im California ist eine fest verbaute Toilette zu wenig sinnvoll, dafür ist er zu kompakt. Für unterwegs gibt es kompakte Lösungen wie eine Porta Potti oder moderne Trockentoiletten, die ohne Chemie auskommen. Wir selbst haben nur einen kleinen Notfallbeutel dabei, etwa wenn man lange im Stau steht, und nutzen sonst die Sanitäranlagen der Campingplätze. Wichtig bleibt: Grauwasser gehört nicht in die Natur, und ein paar Rollen WC-Papier sind immer gut.
Gute Plätze finden
Schöne Plätze findet man, indem man sich erkundigt, bei anderen Campern oder über Apps. Für eine einzelne Nacht ist park4night sehr gut. Bei der Platzwahl gilt gesunder Menschenverstand: schauen, dass es sich sicher anfühlt, bei Gewitter nicht gerade unter dem höchsten Baum stehen, und vor allem am Morgen den Platz sauber wieder verlassen. So bleibt diese Freiheit auch für die anderen erhalten.
Vernünftig vorbereitet, statt überausgerüstet
- Vorinformieren und nachfragen. Lokale Regeln kennen, im Zweifel jemanden fragen, der sich auskennt.
- Lieber etwas zu wenig als zu viel. So merkst du, was du wirklich brauchst, statt viel Geld für Ungenutztes auszugeben.
- Schnell wegfahrbereit. Das Fahrzeug so einrichten, dass du im Notfall mit wenigen Handgriffen losfahren kannst.
- Das Rudimentäre beherrschen. Ein Kompass braucht keinen Akku. Wer die Basics kann, kommt auch ohne Technik zurecht.
Sicherheit und Notfall
Wir haben die obligate Erste-Hilfe-Box dabei, gut bestückt und über das Minimum hinaus, mit einem Antiallergikum für die Kinder, etwas gegen Bauchschmerzen und Durchfall, und einer Kühldecke. Dazu Warnwesten, ein gutes Messer, eine starke Taschenlampe oder Stirnlampe und manchmal die Walkie-Talkies. Das ist kein Angstprogramm, sondern vernünftige Grundausstattung.
Erreichbarkeit und Orientierung
Für uns persönlich darf es ruhig auch mal ohne Netz sein, das gehört zum Gefühl von Freiheit dazu. Wer das so macht, sollte sich aber gut vorbereiten. Wir haben gerne richtige Papierkarten dabei. Und ein wichtiger Punkt, der oft vergessen geht: die Familie vorher informieren, wie lange man weg und nicht erreichbar ist. Ein Notfallkontakt, der Bescheid weiss, ist mehr wert als jedes Gadget.
Vorräte und Verpflegung
Wasser ist gesetzt, dazu Lebensmittel, die lange haltbar sind. Für unerwartet längere Trips sind Kohlenhydrate das Wichtigste: Reis und Teigwaren liefern Energie und lassen sich einfach kochen. Plane im Voraus, wie lange du autark bist und wann du wieder zu einem Laden kommst. Diese kleine Vorausplanung erspart unterwegs viel Stress.
Zum ersten Mal abseits übernachten
Wer unsicher ist, fängt am besten klein an. Zum Beispiel eine Nacht bei einem Bekannten auf dem Grundstück oder auf einem Parkplatz, wo man noch eine Bezugsperson in der Nähe hat. So gewinnt man Vertrauen, ohne sich gleich ins Ungewisse zu stürzen. Und das Fahrzeug von Anfang an so einrichten, dass man im Zweifel rasch weiterfahren kann.
Respekt vor der Natur
Autark in der freien Natur unterwegs zu sein, geht nur mit Respekt. Wir verlassen Plätze am liebsten sogar sauberer, als wir sie angetroffen haben. Wenn man schon Spuren von anderen sieht, nimmt man auch deren Abfall mit, und überlegt zweimal, ob man etwas tun darf. Wer so unterwegs ist, kommt an wunderschöne Orte, die einem Erinnerungen schenken, die ein Leben lang bleiben.
Ein paar Tage richtig draussen zu sein, ohne ständige Erreichbarkeit, ist ein Gefühl von absoluter Freiheit. Man muss es nicht immer haben, aber erleben sollte man es unbedingt.